High End Munich 2019 Show Report Teil1

Dieses Jahr war ich mal wieder auf der High End Messe in München.

Am Vorabend besuchte ich erst mal ein Konzert – sozusagen, um das Gehör noch mal zu „leveln“.Es spielten : Academy of St Martin in the Fields.

Gasteig hat mir akustisch recht gut gefallen! Danke Helmuth für die Einladung und das Herumfahren!!!

 

Entsprechend enttäuschend war dann das, was ich am Donnerstag so als ersten Eindruck hörte.

Aber ist es berechtigt, immer über die Wiedergabequalität bei der Messe zu schimpfen? Ich finde nicht!

Man sollte sich einige Punkte vor Augen halten:

  • Es sind an dem Netz Unmengen an Verbrauchern angeschlossen, auch sehr viele, die Störungen produzieren.
  • Dazu die Neonlampen.
  • Dann natürlich noch die ganzen Handys und Tablets.
  • Wenn man eine Anlage aufbaut, kann man zwar etwas gegen die Netzstörungen tun, nicht viel gegen die Hochfrequenz-Störungen, und gar nichts gegen die aktuelle Besuchermenge! Je nach Besucheranzahl hat man eine sehr unterschiedliche Bedämpfung des Raumes!
  • Die Räume selbst haben bekannter Weise alle ihre Probleme – auch das kann man höchstens teilweise kompensieren. Mit einen normalen Wohnraum hat es aber immer noch nicht viel zu tun. Wogegen man selbst machtlos ist, wenn der Nachbar zu laute Musik spielt und im schlimmsten Fall noch die dünnen Zwischenwände zur Resonanz anregt! (Das konnte ich im Raum von Zellaton/Schnerzinger sehr irritierend feststellen! Da kam ein immenser Bass vom Nebenraum (DCS/Wilson) und manchmal sogar Mitteltonanteile!)
  • Oft sitzt man ja auch nicht gerade optimal, weil diese Plätze natürlich sofort besetzt sind.
  • Leider ist oft auch die Zusammenstellung von Vorführanlagen „politisch“ vorgegeben. Wenn z.B. ein Vertrieb einen Hersteller von Verstärkern hat und einen von Lautsprechern, dann werden die zusammen vorgeführt, auch wenn es nicht völlig paßt…
  • Ich will es mal so formulieren: Wenn ich zu einer Automesse gehe, erwarte ich ja auch nicht, mit jedem Fahrzeug, welches mich interessiert, gleich eine Probefahrt machen zu können!

Wenn es Aussteller trotzdem schaffen, zumindest eine vernünftige Wiedergabe hin zu bekommen, Hut ab!

Mich selbst interessierte natürlich was es Neues gab und wie sich manche Produkte weiter entwickelt haben.

 

Für mich das Highlight war der GMT One von Wilson Benesch!

Wilson-Benesch Turntable

In diesem Plattenspieler steckt wirklich Einiges an Innovation und Ingenieursleistung. Der Plattenspieler selbst ist im Grunde ein Direkt Drive System. Um die Problematik einer hohen Tellermasse zu vermeiden und trotzdem ein hohes Trägheitsmoment zu haben, gibt es ein sogenanntes magnetisches Getriebe – ein zusätzlicher Rotor läuft mit der 3-fachen Geschwindigkeit des Plattentellers. Das bringt das gewünschte Trägheitsmoment bei geringer Masse.

Eine Ansicht von oben mit den verschiedenen Rotoren findet man hier:

Audiocirc

 

Der Plattenspieler selbst ist eine Subchassis-Variante mit 3 (!) weichen pneumatischen Dämpfern und sehr niedriger Resonanzfrequenz.

Die Tonarmbasis lagert auf Spikes. Davon weiß  selbst, wie gut es funktioniert!

Entsprechend dem zu erwartenden Kundenkreis, ist der Plattenspieler mit sehr viel Komfort ausgestattet. So lässt sich z.B. der VTA über einen Piezo Actuator einstellen! Der Tonarmlift ist fernbedienbar, das Subchassis selbstjustierend. Normalerweise lehne ich ja zu viel Elektronik ab, weil sie Störungen verursachen kann. In diesem Falle unterstelle ich einfach mal, dass dies nicht der Fall ist! Da wußte jemand, sehr, sehr genau was und wie er es mach!

Der dazugehörige Tonarm ist ein schöner Einpunkter. Die Besonderheit ist, dass man die effektive Masse verändern kann! Rot markiert ist ein austauschbares gesintertes Titanteil, welches es in verschiedenen Gewichtsklassen gibt. So kann man diesen Tonarm von leicht über mittelschwer bis schwer einstellen. Die Formgebung des Titanteils ist so, dass es auch noch wirkungsvoll Resonanzen bedämpft.

Das mit dem Pfeil markierte Teil ist das gesinterte Titanstück!

Bei der Leistung, kann ich, um Niki Lauda zu zitieren „nur die Kappe ziehen“

Nein ich habe das Laufwerk nicht unter aussagekräftigen Bedingungen gehört, aber ich bin mir trotzdem sicher, es wird sehr weit oben spielen. Klar bestimmt auch sehr teuer, aber dann mit Berechtigung!!

 

Im Vergleich dazu ist konstruktiv der TechDas Zero recht enttäuschend. Der Teller aus mehreren Komponenten, die sich selbst bedämpfen und mit entsprechendem Trägheitsmoment ist ein bekannter Weise richtiger Ansatz. Die Auflagefläche  für die Platte ist aus Tungsten, also sehr hart! Dies kann bei der Plattenasaugung Platten beschädigen, wenn nur ein Staubkorn darauf liegt (kenne ich aus leidvoller Erfahrung mit der alten Audio Technica Ansaugmatte aus Aluminium!) Auch ob Tungsten als Kontaktfläche zur Platte optimal ist, wage ich zu bezweifeln!

Auch der TechDas One ist ein Subchassis-Konzept. Allerdings mit 4 Dämpfern(???), was mechanisch schon mal ungünstiger ist als 3 Dämpfer! Dazu eine recht harte Dämpfung…

Der Motor, der verwendet wird ist sehr gut – benütze ich bei mir auch!

Ein richtiges Luftlager ist leider nicht vorhanden… Ich könnte mir vorstellen, dass man mit einem alten Micro Seiki SX-8000 fast genau so weit kommt.

Der Preis ist mit 450.000.- natürlich jenseits jeglicher Vernunft!

 

 

Was mich hingegen sehr überzeugt hat ist der Wandler von Etalon Sound aus Russland!

http://etalonsound.com/

Klasse aufgebauter Ladder-Dac. Den konnte ich mir auch mit Kopfhörern und gut bekannter Musik anhören. Muss sagen, das hat mich von Auflösung und Musikalität überzeugt.

Den Wandler gibt es in zwei Varianten: Als normaler DA-Wandler und als DA-Wandler mit eingebautem Kofhörerverstärker und externem Netzteil. (Diese Version habe ich angehört).

Preisklasse € 10.000.- und völlig angemessen. Das Gerät kann ich guten Gewissens empfehlen.

Hier noch die „Ladder-Platine“

 

Wie ich ja schon geschrieben habe – die Wiedergabequalität ist ziemliche Glücksache und meine Einschätzung der Qualität ist natürlich subjektiv. Richtig gut gefallen hat mir wie üblich Silbatone mit den wunderschönen Röhrenverstärkern und den Western Electric Hörnern. Diesmal ein besonders gelungener Subwoofer nach dem AMT-Prinzip. Auch beachtlich der Plattenspieler von Thomas Schick! War glaub ich somit die beste Performance, die ich bisher von Silbatone hörte. Hier die Bilder dazu:

Das sind die Verstärker, an denen das System lief – 3 Watt, die völlig reichten!

Dies ist ein Teil des erwähnten Subwoofers – insgesamt mit 8 15″ Field Coil Chassis!!!

 

Überraschend gut auch die Kombination aus Mark Levinson Elektronik und JBL-Lautsprechern. Das erinnerte mich an den geradlinigen Disco-Sound der 80er Jahre. Das hatte nichts mit anämischen High-End Geklimper zu tun, sondern rockte!

 

Martin Logan hörte ich bisher noch nie überzeugend- doch dieser Aufbau spielte schön auflösend und musikalisch…

 

Ähnliches gilt für Live Act Audio: Auch bisher noch nicht überzeugend gehört, aber in dem Hörcontainer war die Kette stimmig und natürlich sehr dynamisch.

Schöne Endstufen, aber der Preis ist happig…

 

EAR-Yoshino sind eigentlich immer gut für eine schöne Vorführung.

Diesmal gab es zwei Highlights: Die neue 300B Endstufe (Push-Pull) wurde vorgestellt. Ich hatte die Möglichkeit, diese ausführlicher zu hören – das hat mir gefallen! Man beachte die schönen Röhren!

Dann hatten sie noch die Sängerin Lyn Stanley zu Gast, die zu ihrer Platte sozusagen im Playback sang und einiges zur Entstehung erzählte.

Die Platten gab es auch – inklusive einem auf 100 Stück limitiertem Direktschnitt – hab ich mir natürlich geholt!

 

Vor langen Jahren hatte ich auch Magnepan Lautsprecher… Was diese Magnetostaten hier konnten, war „Magnepan on Steroids“ Alle Vorteile von früher, aber mit viel mehr Auflösung, Dynamik und Bass! Hersteller: diptyque

 

In die Rubrik „stimmige Systeme“ fällt auch die Open Baffle Konstruktion von Thomas Mayer mit seiner Elektronik. Das hat mir über alles gut gefallen.

Dazu noch das ständig wachsende Angebot an Elrog Röhren. Und geschätzte Leser: Ich weiß, ganz am Anfang gab es in der Produktion Schwierigkeiten und Ausfälle. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei! Bei mir läuft ein Paar 845er seit 3 Jahren und ein Paar 300B seit zwei Jahren ohne die geringsten Probleme!

Mehr zu set up und Röhren findet man hier:

Vinyl Saviour

 

Es gibt auch immer wieder Dinge, die mir ein Lächeln entlocken, so wie die farblich umschaltbare „Röhren-Unterboden-Beleuchtung“ bei McIntosh…“The Fast and Furious“ läßt grüßen!

 

Dann gibt es Systeme, die mich positiv überraschen: Hier im Raum von Esoteric klang es unerwartet gut!

 

Auch „car-hifi“ gab es! Beeindruckendes Auto!

Das Sound System von Thiel & Partner/ Accuton – das konnte man sich leider nicht im Fahrbetrieb anhören!

 

Es soll ab Juni wieder Western Electric 300B aus neuer Fertigung geben…

 

Gut, das Wetter war nicht gerade sommerlich, aber so schlimm nun auch nicht!

 

Wie üblich bei Messen war die Verpflegung schlecht und überteuert.

Positive Ausnahme: Münchner Kafferösterei!

 

Alles kann ich nicht zeigen – aber mal eine Auswahl von verschiedenen Anlagen:

Avantgarde:

Und gleich die Palette zur Farbauswahl dazu:

 

Cessaro:

 

Goebel:

 

Magico:

 

Fink-Team

 

Gryphon:

 

Moon:

 

 

Dies ist ein AER-Breitbänder mit Front- und Rear-Horn!

 

Dan D´Agostio:

 

Kawero:

 

Lansche:

 

MBL:

 

Nagra:

 

Wadax:

Und hier damit man die schiere Größe würdigen kann noch zwei Aufnahmen vom Rack:

 

Hier noch die Anlage von Zellaton/Schnerzinger:

 

 

Im fernöstlichen Bereich gilt es wohl als Ehre, wenn man kopiert wird!

Also dann fühle ich mich mal geehrt!

(Plattenspieler von Einstein, die Pneumatikdämpfer und die Tonarmbasis)

(Sine Audio – eine recht genaue Kopie unserer Kugelfüsse!)

 

Zwei Tonabnehmer habe ich gefunden, die ich gerne mal in meiner Anlage hören würde:

Acoustical  Systems Palladian

 

Und das Ortofon SPU, welches auch in eine „normale“ Headshell passt!

 

Wirklich innovativ ist das neue Kabel von Inakustik:

Dies gibt es in Kupfer:

Und in Reinsilber:

Bei den Preisen allerdings – wenn ich mal etwas Zeit habe, werde ich mir wohl etwas Vergleichbares stricken. Auf jeden Fall danke für die Anregung!

 

Was mich auch immer interessiert sind Unterstellfüsse:

Die mittleren tellerförmigen Edelstahlfüsse wären etwas für meine Lautsprecher! Aber bei dem Preis von   €  5600.-  Rede ich hier mal mit meiner lokaalen Dreherei!

 

 

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